Michael Ende´s „Momo“: Zeit für eine artistische Neuinterpretation – Die Jugendlichen der Circus Academy Witten füllen den Saal mit ihrer neuen Zirkusgala

Am Wochenende lud die Circus Academy Witten mit ihrer Zirkusgala „Momo und die gestohlene Zeit“ in den zweimal bis zum letzten Platz besetzten Saal der Rudolf Steiner Schule Witten ein.
Michael Ende´s Erzählung von Momo handelt von einer Welt, in welcher Hektik und Leistungsdruck die Menschen dazu bringen, Werte wie Liebe, Selbstbestimmung und Zeit kaum noch zu schätzen. Mit der gestohlenen Zeit geht ihnen auch ein Stück Seele verloren.
Die jungen Artisten um die Regisseurin Isabel Anobian haben sowohl Zeit, als auch Seele in großzügiger Dosierung investiert, um dem begeisterten Publikum eine zeitlose Darbietung zu präsentieren.

Über 40 junge Artisten im Alter von 12-21 Jahren erzählten eine neue Interpretation der Geschichte um Momo, in welcher die Hauptfigur diesmal ein Junge ist. In einer Welt, die durch den Einfluss der grauen Menschen immer trister und bedrückender wird, bemühen sich Momo und seine Freunde um eine Rückkehr zur unbelasteten Kindlichkeit.
Hierbei treffen sie in urban anmutenden Szenen unter anderem auf Passanten und Touristen, die die Bühne artistisch beleben. Aus dem Straßenkehrer „Beppo“ wurde in der Interpretation der Circus Academy gleich ein ganzer Reinigungstrupp, der in mehreren kleinen Szenen eine kurzweilige und gelungene Mischung aus Parkour und Comedy darbot.
Momo´s Freunde und ihre zwischenmenschlichen Begegnungen verzaubern das Publikum mit artistisch erzählten Kapiteln, in denen Disziplinen wie Luftartistik, Bodenakrobatik, Jonglage, Einrad oder Hula Hoop dargeboten werden.


Um den Bann der grauen Zeitdiebe zu brechen, muss Momo in einer spektakulär inszenierten Verfolgungsjagd vor den grauen Menschen fliehen. Mit Hilfe von Meister Hora, der die Zeit kontrollieren kann, gelingt es, die gestohlene Zeit wiederzuerlangen, was im Rahmen einer turnerisch-akrobatischen Inszenierung auf einer langen Sprungmatte (Airtrack) feierlich zelebriert wird.
Vor der Verbeugung, vor an beiden Abenden stehend applaudierendem Publikum, zeigte das Ensemble noch eine modern choreographierte Tanznummer und durfte sich verdient feiern lassen.

Die Circus Academy der Rudolf Steiner Schule Witten bietet ganzjährig Kurse in unterschiedlichen artistischen Disziplinen an und produziert jährlich Gala- und Zirkustheater-Aufführungen der verschiedenen Altersgruppen. Gegründet und geleitet von Sylvia Schneider legt die Circus Academy mit „Momo und die gestohlene Zeit“ die nunmehr vierte Produktion unter der Regie der Artistin Isabel Anobian vor.
Unsere Welt krankt an mangelnder Zeit…und oftmals liest oder hört man, dass heutige Heranwachsende die ihrige fast ausschließlich in sozialen Netzwerken oder mit diversen Bildschirmmedien verbringen; an der Rudolf Steiner Schule in Witten liegt offenbar seit etlichen Jahren ein Freizeitangebot vor, das für viele Jugendliche noch reizvoller ist, als das nächste virtuelle „Like“. Wir dürfen gespannt sein auf die nächste Produktion der bunten Truppe aus Witten und Umgebung.

Bericht: P.Giese, Fotos: S.Erlemann

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.