Die Klasse der Flüchtlinge an der Rudolf Steiner-Schule Witten-Heven

Seit dem Frühjahr 2013 gibt es an der Rudolf Steiner-Schule in Witten eine Flüchtlingsklasse. Immer montags- und mittwochnachmittags treffen sich ca. 15 Geflüchtete, um gemeinsam zwei Stunden lang Deutsch zu lernen. Sie kommen aus den unterschiedlichsten Herkunftsländern wie z.B. Afghanistan, Marokko, der Ukraine, Kasachstan, Kongo, Albanien, Somalia, Eritrea und der Elfenbeinküste. Die Gründe, warum sie ihre Heimat unfreiwillig verlassen mussten, sind vielfältig: Krieg, politische Verfolgung, Hunger, Armut oder in ihren Heimatländern unheilbare Krankheiten zwangen sie, sich auf den schwierigen Weg der Flucht zu begeben.

Viele der Deutschschüler in der Flüchtlingsklasse haben noch keinen gesicherten Aufenthaltsstatus in Deutschland. Das Damoklesschwert der Abschiebung schwebt über den meisten von ihnen. Das heißt, dass sie nach ihrem abgelehnten Asylantrag eine Klage eingereicht haben, doch diese Verfahren ziehen sich endlos in die Länge. Einige der Flüchtlinge sind zudem traumatisiert. Unter diesen Umständen ist das Lernen nicht immer einfach. Deshalb ist es sehr hilfreich, dass die Kinder der Flüchtlinge
während des Unterrichts betreut werden. Unter anderem beteiligen sich daran zwei Schülerinnen der Rudolf Steiner-Schule, die selbst einen Migrationshintergrund haben.

Manche unserer Sprachschüler haben mittlerweile unsere Klasse verlassen, weil sie einen Platz in einem Integrationskurs gefunden haben oder in der Zwischenzeit eine Ausbildung beginnen konnten. Etwa die Hälfte ist allerdings von Anfang an dabei und so sind wir nun im vierten Band des Lehrwerks „Schritte plus“ angelangt, was dem Niveau A2 entspricht. Der Unterricht ist mit der Zeit immer lebendiger geworden, da die Klasse mittlerweile in der deutschen Sprache Erfahrungen und Erlebnisse austauschen kann. Auch mit den Ehemaligen besteht immer noch ein reger Kontakt.

Über den Unterricht hinaus begleiten wir die Menschen bis heute bei Arzt- und Rechtsanwaltsbesuchen und bei Behördengängen. Die dabei gemachten Erfahrungen sind vielfältig, wir gewinnen auf diesem Weg oftmals einen tiefen Einblick in die einzelnen Schicksale der Menschen. Diese Einblicke können einen auch schon mal bis in den Schlaf verfolgen. So wartet ein junger eritreischer Familienvater seit 4 Jahren immer noch auf den Nachzug seiner vierköpfigen Familie!

Wir lassen uns aber deshalb nicht entmutigen und so haben wir auch in diesem Jahr wieder ein schönes kleines Sommerfest in unserem Garten auf die Beine gestellt. Besonders die Kinder konnten diesen Nachmittag richtig genießen…

2018FestderKulturen3
(Foto:H.J.Knepper)

Brigitte & Georg Schubert
vom Verein „Hilfe Direkt e.V.

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