Hoch, ganz hoch bis unter die meterhohe Saaldecke musste das Publikum den Blick schweifen lassen, denn bis dahin reichte das grüne Vertikaltuch, an dem die Artistinnen ihr Können schwindelfrei präsentierten, bevor sie sich – kunstvoll darin verwickelt – am Tuch gen Bühnenboden stürzten, um wenige Meter davor in anmutiger Bewegung gebremst zu werden. 

 

Über 70 Artistinnen und Artisten der Klassen 3 bis 8 zeigten am vergangenen Wochenende auf der Bühne der Rudolf Steiner Schule Witten einmal mehr ihr vielseitiges akrobatisches Geschick. Um die Nummern professionell präsentieren zu können, hatten alle während der vergangenen Wochen ausdauernd und intensiv mit ihren Zirkustrainern geprobt. 

 

Für das diesjährige Drehbuch und die Regie war Sportlehrerin Isabel Anobian verantwortlich, tatkräftig unterstützt von ihrer Kollegin Sylvia Schneider, die das Zirkustheater bereits vor mehr als 20 Jahren für die Schule aufgebaut und etabliert hat. Die Regisseurin Isabel Anobian verstand es dabei unterhaltsam, die Rahmenhandlung mit den artistischen Darbietungen zu verweben. So fanden denn auch beide Vorstellungen vor ausverkauftem Haus statt, die je 400 Karten waren im Nu vergriffen. 

 

Bei dieser Zirkusshow geriet Karamellas Teddybär auf Abwege und unfreiwillig auf große Weltreise. Und so erreichten die ungeduldig zuhause Wartende immer wieder Briefe von verschiedenen Kontinenten, aus dem tiefen Ozean und sogar aus luftigen Höhen, in denen das treue Kuscheltier seiner Karamella von seinen lustigen Abenteuern dort berichtete. Glücklicherweise konnte der findige Postbote die riesengroßen, winzig kleinen oder gar löchrigen Briefe trotz so manchen Hindernisses aus jedem Winkel der Welt immer sicher an sein Ziel bringen, sodass die Freundin von all den unglaublichen Kunststücken lesen konnte, die dem kleinen Bären aus seiner Reise begegnet waren. 

 

Da räkelten sich zum Beispiel bunte Papageien in luftiger Höhe elegant auf den Trapezstangen, vollführten einen Spagat oder zeigten kunstvolle Hängefiguren, weitere Artistinnen und Artisten präsentierten auf dem Doppeltrapez ihr Können oder ließen das Publikum über ihre Kunststücke im frei schwingenden Netz inmitten einer leuchtenden Unterwasserwelt staunen. 

Dann wiederum vollführte eine Parcours-Truppe aus „bärtigen Kerlen“ temporeiche Sprünge und Salti; außerdem hatten sie tollkühne Weitsprünge vom Trampolin über ihre „Kollegen“ im Programm. Schnell und kurvenreich wurde es anschließend bei den sonnenhungrigen Skatern, die mit Sonnenbrillen und Eistüten auf ihren Waveboards unterwegs waren und zwischendurch auch schon mal in voller Fahrt das Gefährt tauschten. 

Dann wiederum wechselte die Szenerie ins ferne Afrika: Die Störche waren los, stelzten auf ihren meterhohen Artistengeräten gekonnt über die Bühne und die Giraffen drehten auf Hoch-Einrädern schwindelfrei ihre Runden. 

Auch die Balance-Artistik auf großen Kugeln und die Jonglage durften als Klassiker der Zirkusnummern natürlich nicht fehlen: Und so machten neon  leuchtende Ringe, Bälle und Pois unter Schwarzlicht Eindruck, dann wieder ließen die Künstler ihre Diabolos durch die Luft sausen und tauschten dabei mühelos ihre Positionen. 

 

Zu guter Letzt kehrte der kleine Weltenbummler nach all dem bunten Zirkus-Treiben und seinen turbulenten Erlebnissen natürlich wohlbehalten heim und Karamella konnte ihren Teddybären endlich wieder in die Arme schließen! 

 

Das Zirkusorchester aus Eltern und Kollegen spielte zu dem Bühnengeschehen live unter der Leitung von Pianistin Nina Aristova, sodass die Stimmung mal freudig, mal verzaubert, dann wieder schwungvoll und voller Elan die dargebotene artistische Präsentation untermalte. Darüber hinaus waren viele weitere engagierte Helferinnen und Helfer vor und während der Aufführung aktiv: Wunderbar farbenfrohe und phantasievolle Kostüme für alle Artisten wollten geschneidert, das Make-up mit sicherer Hand aufgetragen sein, Beleuchter mussten jede Nu

mmer stets optimal ausleuchten, während die „Stage hands“ bei den Umbauten zwischen eben jenen fleißig die Artistikgeräte und Matten räumten. Und nicht zuletzt für das leibliche Wohl des Publikums und der Artisten musste in der Programmpause gesorgt werden.

Fotos: Stephan Wilforth

 

Nach gut zwei Stunden ging ein buntes und kurzweiliges artistisches Programm zu Ende, nach zwei Stunden, in denen Artistinnen und Artisten sowie alle Helfenden rund um die Bühne spürbar ihr Bestes gegeben haben. Dabei ist die Freude aller am Zirkustheater Beteiligten übergesprungen und im Publikum leuchteten nach dieser artistischen Weltreise nicht nur Kinderaugen….

 

Stephanie Möller