Die harte Arbeit hat sich gelohnt: Unser Klassenspiel „Adel vernichtet!“
Am vergangen Wochenende führte unsere 8. Klasse unser lang geprobtes Stück „Adel vernichtet!“ vor großem Publikum auf, nachdem wir die Krimikomödie am Freitag zuvor bereits den Schülerinnen und Schülern der Klassen 2 bis 11 vorgeführt hatten. Doch bis zu diesen Aufführungen auf der großen Bühne war es ein langer Weg, der oft lustig, manchmal echt ein wenig anstrengend und vor allem ganz besonders war….
Schon kurz nach Beginn des 8. Schuljahres gab es eine Entscheidung zu treffen: Wir mussten uns gemeinsam überlegen, welches Theaterstück unser Achtklassstück werden sollte. Und so brachte unsere Klassenlehrerin Grit van Aalst, die das gewählte Stück dann auch mit uns proben würde, nach und nach den Text verschiedener Werke mit. Meistens wurde der Text dabei mit Hilfe des Beamers an die Wand geworfen und wir lasen gemeinsam die verschiedenen Rollen. Die zur Wahl stehenden Komödien waren ein wenig ähnlich, doch es gab ein paar Dinge, die sie doch sehr unterschiedlich machten, wie zum Beispiel ein Ende, bei dem sich herausstellte, dass es sich um übernatürliche Kräfte handelte. Deswegen waren ein paar Stücke schon relativ schnell „aus dem Rennen“. Nachdem wir alle Stücke mindestens zur Hälfte durchgelesen hatten, stimmten wir ab. Mit einer relativ großen Mehrheit gewann das Stück „Adel vernichtet!“
Das Stück spielt in England vor etwa 200 Jahren. Es geht um ein frisch verheiratetes adliges Ehepaar, das zu seiner ersten kleinen Tanzgesellschaft einlädt, um sich in die so genannten „feinen Kreise“ einzuführen. Beide leben gemeinsam auf ihrem Landsitz mit vielen Bediensteten, die ihnen immer zur Hand gehen. Und so hat nicht nur die Ehefrau Grace eine Kammerzofe, sondern auch ihr Ehemann Percy einen Kammerdiener namens James, die beide eifrig bemüht sind, ihre Herrschaften für die Abendgesellschaft herauszuputzen. Und auch der Rest des Hauses bereitet sich auf den adligen Besuch vor, bis schon bald die ersten Gäste kommen. Der Tanzsaal füllt sich langsam, doch leider sind nicht alle „hohen Herrschaften“ so sympathisch: Manche mussten einfach wegen ihres gesellschaftlichen Ranges einladen werden und wieder Andere sind wirklich sehr von sich und ihrer adligen Abstammung überzeugt und machen sich wirklich viel aus Etikette, Andere wiederum sind einfach ein wenig zu temperamentvoll. Und so gibt es schnell den einen oder anderen Streit…. Zwar lockert das Tanzen alles ersteinmal wieder auf, doch dann wagt Lord Plumpudding – natürlich ohne das Wissen seiner Frau – sich mit Lady Astor im Garten zu verabreden. Als der Lord wenig später in den Garten hinausgeht, um auf seine Verabredung zu warten, ist er um so erstaunter, dass er statt ihrer eine vermummte Gestallt trifft, die sich später als James herausstellt. Die beiden streiten sich und James ersticht ihn im Affekt mit dem Messer, mit dem er eigentlich „bloß“ Geld vom Lord fordern wollte. Danach verschwindet er unerkannt. Wenig später findet Lady Astor den Toten und schon bald sind alle im Garten versammelt. Es werden der Inspektor, sein Sergeant und der Doktor geholt und die Ermittlungen werden eingeleitet, doch wirklich weit kommt die Polizei zunächst nicht. Erst als dann eine sehr arrogante Lady Grey erneut die rechtschaffene Lady Astor beschuldigt, Lord Plumpudding umgebracht zu haben, lässt James endlich seine Tarnung auffliegen, um seine Liebe zu beschützen. Es stellt sich heraus, dass er das uneheliche Kind von Lord Plumpudding ist und er ihn um ein wenig Geld gebeten hatte, um sich mit Lady Astor gemeinsam eine kleine Existenz aufbauen zu können. Doch sein Vater lachte ihn nur aus, machte sich über ihn als „Bastard“ lustig. Nach dem Tatschlag, ganz im Rausch der Gefühle, hat James die Idee, mit Lady Astor ins wilde Schottland zu fliehen. Das tun sie dann auch, mit Lady Grey als Geisel, damit ihnen niemand folgt.
Da die Gäste in dieser Situation „eh nichts machen können“, kehren sie erst einmal ans Buffet zurück… Die Polizei ist völlig sprachlos und sich sicher, dass Adel wirklich jede Tugend vernichtet: „den Anstand, die Moral und die Menschlichkeit!“
Bis das Theaterstück aufgeführt werden konnte, wartete viel Arbeit auf uns: Wir haben angefangen den Text zu üben, außerdem haben wir zu jeder Rolle die jeweiligen Charaktereigenschaften aufgeschrieben. Bald fingen wir meistens in unseren Übstunden unter der Leitung von Lehrerin Janin Haxel mit Übungen an, wie etwa, jemanden wütend, fröhlich, ängstlich oder gestresst zu begrüßen. Das fiel nicht immer allen leicht, so brauchten wir eine Weile um uns wieder aufs Theaterspiel zu konzentrieren, aber manchen gelang es auch schon recht schnell ziemlich einfach, es war sehr unterschiedlich. Wir mussten uns vor allem darauf konzentrieren, zwischen der Rolle und uns selbst zu unterscheiden, um uns richtig in die Rollen hineinzuversetzen. Dreimal pro Woche hatten wir jeweils eine Extrastunde Theater. Dort bekamen wir schon einmal ein Gefühl dafür, wie unsere Rolle ist: wie sie redet, ob sie eher leiser oder lauter ist, wie sie geht, ob sie sich eher im Hintergrund aufhält oder immer in den Vordergrund spielt. Über die Winterferien hatten wir dann auf, unseren Text auswendig zu lernen. Es gab 34 verschiedene Rollen für uns 34 Kinder der Klasse mit sehr verschiedenen Textumfang: So gab es Rollen, die über 50 Sprecheinsätze hatten, und ein paar, die „nur“ zwei oder drei Mal gesprochen haben, aber dann einen „halben Roman“ auswendig lernen mussten. Das Auswendig lernen fiel allen unterschiedlich leicht oder eben schwer. Nach den Winterferien ging dann das „richtige“ Proben auf der Bühne los! Zunächst ohne Kostüme, denn noch nicht alle waren fertig.
Bereits vor den Ferien haben uns Sylvia Burkhart und Iris Scheebaum Kostüme und alt aussehende Schuhe aus dem umfangreichen Fundus herausgesucht, die wir anprobiert hatten und die teilweise noch geändert wurden. Gegen Ende der Vorbereitungszeit probten wir dann auch in Kostümen.
Doch zunächst auf einer leeren Bühne zu spielen ist noch lange nicht so schön, wie in einem prunkvollen Tanzsaal, mit Buffet, Garten und einem kleinen Ankleideraum. Und so traf sich das Bühnenteam, bestehend aus etwa zehn Schülern und Silke Kost, einer professionellen Bühnenbildnerin, mehrmals, um zu planen, wie die Bühne aussehen sollte, was noch gebraucht wird und wie man bestimmte Ideen umsetzten könnte. So wurde beispielsweise die Idee, einen Kronleuchter aufzuhängen, auf sehr kreative Weise umgesetzt: Es wurde aus Perlenbändern und einem Fliegennetz ein solcher Leuchter selbst gebastelt, der, als er fertig war, auch sehr eindrucksvoll aussah!
Die Bühne nahm immer mehr Gestalt an, währenddessen probten wir fleißig weiter. Mittlerweile kamen wir richtig ins Spielen und viele waren schon ziemlich gut in ihrer Rolle und hatten auch gute Ideen, wie man die Situation beispielsweise noch eindrucksvoller oder bedrohlicher machen könnte. Wir probten in der ersten Intensiv-Woche vor unserer Premiere jeden Tag eine Szene und gaben uns danach gegenseitig Feedback. Bei manchen Szenen stockte es noch etwas und wir kamen nicht richtig ins Spielen. Die Schwierigkeit generell war, dass in zahlreichen Szenen sehr viele Schauspielerinnen und Schauspieler auf einmal auf der Bühne waren und meist nur ein paar gesprochen haben, doch der Rest musste sich trotzdem so verhalten, wie in seiner Rolle, außerdem haben die meisten Rollen sehr temperamentvolle Charaktere, in die es sich galt, hineinzuversetzten. Es wurde immer besser, doch eine Schlüsselszene funktionierte noch nicht richtig: Die Mordszene konnten wir zunächst noch nicht richtig proben, da die beiden „Tatmesser“ – ein großes Fleischermesser und ein Stiel, der auf dem Rücken des Opfers befestigt werden sollte – noch nicht hergestellt waren. Diese wurden extra von einer Schreinerin aus Holz angefertigt. Zum Glück blieb noch genug Zeit, um auch diese Szene spannend umzusetzen….
Damit auch das Publikum zahlreich zu unserem Stück kommen würde, mussten wir uns schließlich auch noch um entsprechende Werbung kümmern: Dazu haben wir überall in der Schule ein selbst gestaltetes Plakat aufgehängt.
In der letzten Intensiv-Woche wurde dann auch endlich von Stefan Wiemer und seinem Beleuchter-Team Probe beleuchtet. Das Team hat unsere Bühne bei den Auftritten dann so wunderbar in Licht getaucht.
Während der anstrengenden Intensiv- Probezeit wurde uns auch immer von unseren beiden „guten Feen“ Obst, Brot oder Gemüse geschnitten und wir wurden bei den Aufführungen hinter der Bühne mit Kuchen versorgt, die uns meist die Eltern der Klasse gebacken hatten.
Da es in dem Stück auch ums Tanzen ging, hatten wir bereits zwei Tanzstunden beim neuen Tanzlehrer, als die 9. KLasse für deren Abschlussball übte, darüber hinaus haben wir das Tanzen auch danach weiterhin geübt. In der letzten Woche vor der Premiere kam dann auch noch Livemusik von unserem Mini- Orchester dazu, bestehend aus Friedrich Tepel, Veronica Kühn, Ursula Alborn und unserer Klassenlehrerin Grit van Aalst. Ursula Alborn arrangierte dabei für uns auch die wunderbare Musik zum Stück.
Ein paar Tage vor dem Auftritt wurden wir von einigen Mädchen aus der 9. Klasse probehalber geschminkt und frisiert. Wir probten noch weiter und merkten, wie das Stück wirklich gut wurde und Spaß machte, daher übten wir ganz besonders dolle, laut, langsam und deutlich zu sprechen.
Und dann war er endlich da, unser großer Tag! – Es war Freitag und wir hatten Schüleraufführung. Wir Schauspielerinnen und Schauspieler hatten alle sehr gemischte Gefühle: Manche waren sehr aufgeregt, „tänzelten“ darum die ganze Zeit herum, wieder Andere waren die Ruhe selbst. Wir zogen uns alle unsere Kostüme an und wurden dann auch schon von Schülerinnen der 7., 9. und 10. Klasse frisiert und geschminkt. Alle bekamen wirklich schöne Frisuren und tolles Make Up! Es war erst einmal ungewohnt für uns, uns alle so verwandelt zu sehen.
Die Stimmung war generell sehr locker. Wir sprachen uns noch einmal gegenseitig Mut zu und jede/-r ging noch einmal seine Textstelle oder seinen Einsatz durch. Dann ging es los! Unsere Rollen wurden zunächst in kleinen Gruppen auf der Bühne vorgestellt, danach gingen wir auf unseren „Startplatz“. Wir sahen fast niemanden aus dem Publikum, da die Scheinwerfer zu hell waren. Wir versuchten alle uns an das zu erinnern, was wir die letzte Zeit geprobt hatten und bis auf ein oder zwei kleine Versprecher gelang uns eine schöne erste Hälfte der Aufführung.
In der Pause trafen wir uns hinter der Bühne, wurden mit Kuchen versorgt, redeten über die erste Hälfte und sprachen uns nochmal Motivation zu. Ein paar machten ihre Haare neu und dann ging es auch schon weiter. Wir spielten eine tolle zweite Hälfte, mit viel Energie und bekamen viel Applaus! Die Angst war nun schon längst bei den meisten weg und so waren wir zuversichtlich, dass wir auch die anderen beiden Aufführungen mit Bravour meistern würden!
Samstags konnten wir uns so noch einmal beim Spiel steigern und es machte dem Publikum hörbar sehr viel Spaß das Stück anzusehen! Doch dann gab es ein kleines Problem: Kurz vor der Mordszene bemerkten wir, dass beide Messer weg waren! Nach hektischer Suche fanden wir sie auf einem Stuhl liegend wieder, leider stand dieser mitten auf der Bühne…! Schnell ließen wir uns etwas einfallen, sodass James seine Messer zum Glück rechtzeitig wieder hatte.
Sonntags ging dann zum Glück nichts schief und wir spielten noch einmal wirklich schön! Die Aufregung war wie weggeblasen und das Spielen hat einfach nur noch großen Spaß gemacht!
Dieses Stück konnte nur mit der Unterstützung so vieler Helferinnen und Helfer so gut werden und hat unsere Klassengemeinschaft sicher noch ein Stück stärker gemacht! Wir möchten allen noch einmal ausdrücklich Dankeschön sagen!
Wir freuen uns schon auf unser Zwölftklassstück und hoffen, dass wir auch das mit so viel (Spiel-)Freude auf die Bühne bringen können.
für die 8. Klasse: Charlotte

